XX. transmitting voices: intermezzo / africa hourra

transmitting voices: intermezzo / africa hourra

in meinem zweitletzten neuigkeitenbrief, den ich für baselwandel kuratiert habe, habe ich anfangs november 2023 auf hebräisch und arabisch – ahlan und yom tov – begrüsst und über mitfühlen als möglichkeits(t)raum in krisen geschrieben: «Wie geht es dir mit dem Krieg im Nahen Osten und dem in der Ukraine? Angesichts der Gewalt an und Zerstörung von Leben und Lebensraum bleibt mir als einziger Möglichkeitsraum, tief ins Mitgefühl mit allen betroffenen Menschen zu gehen. Im Austausch mit anderen und in der Berichterstattung vieler Medien höre ich immer wieder verurteilende, zynische und verängstigte Stimmen. Diese kollektive Überwältigung mit der Situation verstärkt meine Verzweiflung, meine Trauer und meine Wut über diese globalen Ungerechtigkeiten. Gleichzeitig wird die Frage in mir lebendig, wie wir gwundrig, mitfühlend und mutig bleiben und genau hinfühlen, wenn sich solch grosse Herausforderungen unserer Zeit so klar zeigen.» wenn du was von impulsen wie diesem hast, dann melde dich für den neuigkeitenbrief von echo from the future an. ab 2025 veschick ich ihn einmal im quartal und es werden auch anregungen für wandel drin vorkommen. jawoll. die situation hat sich seit oktober 2023 und seit februar 2022 kaum verändert: die beiden kriege haben sich nicht beruhigt und der diskurs in europa nimmt kuriose und absurde formen an. es macht – je länger, je mehr – den anschein, dass es darum geht für die einen & gege die anderen zu sein, statt gemeinsam gegen gewalt und die auslöschung von leben aller art. und dass es dinge gibt, über die mensch besser nicht spricht oder gar schreibt. in diesen beiden phänomenen zeigst sich viel generationenübergreifendes trauma. und im kontakt mit diesen (ge)schichten geht viel verloren von der kunst und fähigkeit des differenzierens, denn die geht besser mit verlangsamung… in basel-stadt ist mitte november eine kontroverse ausgbrochen über die vergabe des kulturförderpreises an die djane leila moon. denn augenscheinlich traut die basler classe politique der bevölkerung nicht zu, zu unterscheiden zwischen der kritik an der politik eines staates als legitimem ausdruck von meinungsfreiheit und antisemitimus. dass stattdessen eine künstlerin zensiert wird, hat mich und viele kultur- und kuntschaffenden erschüttert und viele fragen aufgeworfen: welchen preis zahlen künstler:innen, wenn was schief geht nachdem sie von einer unabhängigen fachjury für einen kulturförderpreis ausgewählt wurden, für den sie sich selber nie beworben haben und wie das genau geht mit der unabhängigkeit, wenn ein kanton oder eine abteilung eines kantons dann doch ein veto einlegen kann? hierlang zur story von leila moon, die einige als anfang des debakels verstehen, obwohl das debakel in wirklichkeit lange vor diesem post angefangen hat. hier zur berichterstattung von srf, sowie zum spendenaufruf für einen unabhängigen kulturpreis. am fall von leila moon zeigt sich, dass immense unsichbare kräfte wirken, die stimmen, die den status quo kritisieren zum schweigen bringen. es ist auch ein gesellschaftliches wachrütteln und ein erwachen von mehr und mehr künstler:innen, die einstimmen in den song von einer gemeinsamen zukunft. und was in der ganzen polemik um den kulturförderpreis fehlt: das wertschätzen der musik an&pfirsich. dafür ist heute der moment. 2021 haben leila moon und der algerischen künstler réda ehccjer mit chakib bouzidi, banditbandeau, rula el bahr, sofiane frendi, maalem samade und daniel steiner fürs polyfon festival stimmen aus der schweiz und aus algerien aufeinander treffen lassen. transmitting voices ist kultureller austausch, der elektronica, jazz, nordafkrikanische vollkmusik verbindet und damit neue klanglandschaften malt. höret und staunet über intermezzo / africa hourra. mehr darüber im gespräch auf radio x, das danielle bürgin mit leila moon und anissa cadelli geführt hat. dieser song ist teil der dezember-sendung zum thema ende gelände: neu- und wiederentdecktes.

[heute ohne textzitat, weil es platz braucht, um gemeinsam an die angespannten & verhärteten stellen in uns hinzuatmen] «…» [today without a lyrical quote, because we together need space to breathe into the tense & hardened spots in us]

at the beginning of november 2023, in my second last newsletter, which i curated for baselwandel, i said hello in hebrew and arabic – ahlan and yom tov – and wrote about compassion as a space of possibility in crises: «How do you feel about the war in the middle east and in ukraine? In view of the violence and destruction of life and living space, the only space of possibility left to me is to empathise deeply with all the people affected. In dialogue with others and in the reporting of many media outlets, I hear condemning, cynical and frightened voices time and again. This collective overwhelming of the situation intensifies my despair, my sadness and my anger about these global injustices. At the same time, the question comes alive in me as to how we can remain kind, compassionate and courageous and be sensitive when such great challenges of our time are so clearly evident.» if you are interested in impulses like this, then sign up for the echo from the future newsletter. from 2025, i will send it once a quarter and it will also contain suggestions for change. yes. the situation has hardly changed since october 2023 and february 2022: the two wars have not calmed down and the discourse in europe is taking on strange and absurd forms. it seems – the longer, the more – that it's about being for some & against others, instead of being together against violence and the extinction of life of all kinds. and that there are things that are better not to talk or even write about. these two phenomena reveal a lot of intergenerational trauma. and in contact with these layers, much of the art and ability to differentiate is lost, differentiating works better with deceleration... in basel city a controversy erupted in mid november over the awarding of a culture prize to the djane leila moon. because apparently basel's classe politique does not trust the population to distinguish between criticism of a state's policies as a legitimate expression of freedom of speech and anti-semitism. the fact that an artist is being censored instead has shocked me and many cultural and artistic professionals and raised many questions: what price do artists pay if something goes wrong after they have been selected by an independent jury of experts for a cultural prize for which they themselves never even applied, and how exactly does independence work when a canton or a department of a canton can then veto it? here is the story of leila moon, which some understand as the beginning of the debacle when in reality the dabacle began a long time before this post, the reporting by srf, and the appeal for donations for an independent cultural prize. the case of leila moon shows that immense invisible forces are at work, silencing voices that criticise the status quo. it is also a social wake-up call and an awakening of more and more artists who are joining in the song of a common future. and what is missing in the whole polemic about the culture prize: the appreciation of music. today is the moment for that. in 2021, leila moon and the algerian artist réda ehccjer have brought together voices from switzerland and algeria with chakib bouzidi, banditbandeau, rula el bahr, sofiane frendi, maalem samade and daniel steiner for the polyfon festival. transmitting voices is a cultural exchange that combines electronica, jazz and north african music to create new soundscapes. listen and be amazed by intermezzo / africa hourra. find out more in the interview on radio x between danielle bürgin, leila moon and anissa cadelli. this song is part of the december episode on newly and/or rediscovered songs and artists.

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XXI. sika: soleil

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XIX. souad massi: bel el madhi